„Jupiter, mit Merkur die Erde in menschlicher Gestalt durchwandelnd, kam an ein reiches Dorf in Phrygien bei Nacht, um Aufnahme bittend, doch verschlossen war jede Türe. Nur die ärmste Hütte, in welcher Philemon und Baucis wohnten, öffnete sich den Fremdlingen und es wird ihnen ein frugales Mahl bereitet. Jupiter gibt sich den beiden Gatten kund, führt sie an einem Hügel hinauf und zeigt ihnen, wie er Gastlichkeit belohne: Die ganze Gegend ist in einen wallenden See verwandelt, nur ihre Hütte steht noch, aber sie wird zu einem säulengetragenden, goldgedeckten Tempel. Auf ihre Bitte werden die guten Alten Hüter desselben. Und damit nicht Eines das Andere sterben sehe, werden sie, nachdem sie ein hohes Alter erreicht, beide in gleicher Stunde, vor dem Tempel stehend, in Bäume verwandelt;
er in eine Eiche, sie in eine Linde“.
Aus Vollmer, Wörterbuch der Mythologie, Leibzig 1874